Geschichten von der Haarfee

Das Thema Haare ist bei unserem Jüngsten gerade zu einer fiesen Gewitterwolke mutiert. Er planscht sehr gerne in der Duschwanne (leider gibt es keine Badeoase in unserer Wohnung) und könnte sich dort stundenlang vergnügen. Wenn es allerdings auch nur den leisesten Verdacht gibt, es könne jemand versuchen, sein Haupthaar mit Wasser zu benetzen, geschweige denn mit SHAMPOO einzuschäumen, versucht er – flink wie ein Frosch – mit einem großen Satz aus dem Gefahrengebiet zu flüchten.

Unter lautstarkem Protest versucht er, die fiese Haarwaschattacke abzuwehren und ich stehe derweil kurz vor dem Herzinfarkt. Wer schonmal versucht hat, ein trotzig tobendes Kleinkind in einer rutschigen Wanne vor dem Hinfallen zu beschützen, weiß bestimmt wovon ich rede.

Mittelfristige Lösung des Problems: unter der Woche wird der Windelpopo gelegentlich gewässert – für die Haarwäsche brauchen wir den Papa und das Wochenende. Auf Papas Arm wird zwar auch nicht gejubelt, wenn die Dusche angeht, aber mit zwei Armen mehr und etwas gutem Zureden haben wir die angeranzte Haarpracht zumindest wieder duftig frisch bekommen.

Nun wäre da noch die Sache mit der Schere. Dass Spaghettireste, Joghurt und Co im Laufe der Woche die Löckchen verkleben, da der kleine Riese Servietten für total überbewertet hält, ist eine Sache, mit der ich Leben kann bzw. muss.

Wenn allerdings die Haare gardinenmäßig die Sicht versperren und der Hinterkopf nach dem Schlafen aussieht, als bereite er sich auf die Ankunft einer fünfköpfigen Vogelfamilie vor, ist es an der Zeit, sich mit dem Thema Frisur auseinandersetzen. Ich bin nun wirklich kein Frisurenfanatiker, gehe selbst so gut wie nie zum Friseur und schneide uns allen die Haare selbst. Dann, wenn es eben passt. Aber es gibt diesen Punkt, da sieht die lässig rausgewachsene Jungsfrisur eben eher nach Vetter ITT von der Addams Family aus, als nach coolem, etwas verwegenen Rabauken 😉

Also haben wir es im Guten versucht. Die Jungs durften ausnahmsweise „Coco der neugierige Affe“ auf dem Tablet sehen, während ich mich auf den Einsatz im heimisch improvisiertem Friseursalon vorbereitete. Der erste Versuch scheiterte kläglich. Blitzschnell wollte die Kleinkinderhand die Spaghettilöckchen vor der bösen Schere beschützen. Bestechungsversuchen mit Gummibärchen als Belohnung bei erfolgreicher Schnippelaktion wurden zwar mit großen Augen und heftigem Nicken zugestimmt, als es allerdings um die Erfüllung der Pflicht ging, war das auf der Stelle vergessen. Also ging erstmal der große Bruder mit gutem Beispiel voran. Vorbildlich (fast jedenfalls) ließ er mich die Schere schwingen und redete motivierend auf den kleinen Bruder ein. Dieser war jedoch nicht mehr zu überzeugen, also musste „Coco“ sich wieder hinter den schwarzen Bildschirm des Tablets verziehen und die Gummibärchenbelohnung blieb dem kleinen Bruder vorenthalten. Das sorgte natürlich wieder für großen Protest, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Der Große hatte allerdings so viel Mitleid, dass er dem Kleinen hinter unserem Rücken noch schnell eins von seinen Belohnungs-Bärchen zusteckte – das nenne ich wahre Bruderliebe 😉

Am darauffolgenden Wochenende versuchten wir dann erneut unser Glück. Wieder wurde das Tablet gezückt und nun ein Schokoweihnachtsmann versprochen, das Ganze diesmal auf Papas Schoß. Der kleine Riese stimmte den Plänen abermals eifrig zu, um dann erneut wild zu fuchteln und sich zu winden wie ein Aal, sobald ich mit dem Schneidegerät anrückte. Der große Bruder bot sofort an, wieder einzuspringen, musste dann aber akzeptieren, dass einmal die Woche Haare schneiden eventuell etwas zu viel des Guten ist. Mit List und Tücke habe ich drei oder vier Haarbüschelchen vom kleinen Querulanten ergattern können, doch dann wurde es einfach zu gefährlich. Schließlich sollte er ja seine Finger behalten.

Dieses fast schon künstlerisch anmutende Ergebnis hätte man eventuell in einem Berliner Minihipsterblog als neuesten Trend anpreisen können. Oder man bzw. Mama wartet auf den Mittagsschlaf, um dann in geheimer Mission „Haarfee“ zu spielen. Gar nicht sooo einfach, zumal ich das Gefühl habe, dass sein Haarverteidigungsmodus auch im Schlaf funktioniert, aber ich habe es geschafft. Und das Ergebnis sieht eigentlich ganz niedlich aus. Mal sehen, ob die Haarfee beim nächsten Mal wieder zuschlägt – äh schneidet, oder wir einen abgelegenen Friseursalon finden.

Jetzt können wir uns jedenfalls an die Weihnachtsfotos für die Familie machen 😉

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